Knie-OP | Blog

Operationsverfahren und Implantate

Durch die Weiterentwicklung der Operationstechniken sind die Behandlungs- möglichkeiten für einen Kreuzbandersatz in den vergangenen Jahren sehr stark verbessert worden. Weit verbreitet und quasi als Standard durchgesetzt, hat sich der Kreuzbandersatz mittels körpereigener Sehnentransplantate. Verwendet werden Semitendinosus- und Gracilissehne in dreifach- und vierfach- Bündeltechnik sowie Patellarsehnenstreifen, Quadrizepssehnen und nach mehrfachen Kreuzbandrissen auch Spendertransplantate. Alle Transplantate haben die Eigenschaft gemein, dass sie eine mit dem natürlichen vorderen Kreuzband vergleichbare Zerreißkraft und Elastizität aufweisen. Hier nun ein Überblick:

Semitendinosus- und Gracilissehne

(Hamstringtransplantat / Kniebeugesehnen)

Semitendinosussehne

Methode:
Über einen kleinen Hautschnitt am innenseitigen Schienbeinkopf werden die Semitendinosus- und Gracilissehne entnommen und jeweils gedoppelt, so dass sich hieraus ein Vierfach-Transplantat ergibt. Alternativ besteht bei ausreichender Sehnenlänge auch die Möglichkeit, lediglich die Semitendinosussehne zu gewinnen und diese als Drei- bzw. Vierfachbündel zu vernähen.

Vorteile:

Die Vorteile dieses Operationsverfahrens liegen in erster Linie in der geringeren Entnahme-Problematik der Sehnen und in einer aus kosmetischer Sicht nicht zu verachtenden kleineren Hautnarbe.  Ein weiterer Vorteil ist, dass das Transplantat während des Einheilprozesses im Vergleich schneller die Elastizität des natürlichen Kreuzbandes erreicht.

Nachteile:

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Patellarsehne

(Sehne unterhalb der Kniescheibe)

Patellarsehne (Funktionsweise)

Methode:
Als Kreuzbandersatz wird das mittlere Drittel der Sehne als Knochen-Sehne-Knochen- Transplantat („Bone-Tendon-Bone-“) entnommen.

Vorteile:

Als Vorteile anzusehen sind die stabile Fixation sowie die rasche knöcherne Einheilung des Transplantates.

Nachteile:

Als nachteilig anzusehen, sind die Schmerzen, die an der Entnahmestelle auftreten können sowie eine mögliche Verminderung der Muskelkraft des Oberschenkel- streckmuskels. Statistisch tritt der so genannte „vordere Knieschmerz“ bei diesem Operationsverfahren häufiger auf als nach Ersatz mit Semitendinosus- und Gracilissehne.

 

Zwei-Bündel-Rekonstruktion

(„double bundle“)

Als neueres Operationsverfahren wird von einigen Ärzten die Zwei-Bündel-Rekonstruktion unter Verwendung von Hamstringsehnen bei der Rekonstruktion des Kreuzbandes favorisiert.

Zweibündelrekonstruktion

Methode:
Bei dieser Technik erfolgt der Kreuzbandersatz entsprechend der anatomischen Kreuzbandstruktur als zweifacher Transplantatstrang, dem anteromedialen und posterolateralen Faserbündel.

Mögliche Vorteile:

Aus experimentellen Simulationen geht man von einer höheren biomechanischen Effizienz der Zwei-Bündel-Rekonstruktion aus.

Nachteile:

Methodik bedarf einer aufwendigen Operations- und Verankerungstechnik, zudem konnte die langfristige Effizienz hinsichtlich einer optimierten Kniegelenksstabilisierung bislang nicht nachgewiesen werden.

 

Quadrizepssehne

(Sehne des Oberschenkelstreckmuskels)

Quadrizepssehne

Das Quadrizepssehnentransplantat mit endständigem patellarem Knochenblöckchen findet vorwiegend  bei erneuten Kreuzbandrissen Anwendung.

Methode:
Den mit dem natürlichen Kreuzband vergleichbaren biomechanischen Eigenschaften des Transplantats steht eine operationstechnisch anspruchsvolle Transplantatentnahme gegenüber. Die Methodik konnte sich bislang nicht generell durchsetzen.

Vorteile:

Ein Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Möglichkeit der implantatfreien „Press-fit Verankerung“ des Quadrizepssehnentransplantates im Oberschenkelknochen, wodurch eine biologisch optimale Einheilung und ein vereinfachtes Vorgehen im Revisionseingriffe gewährleistet werden.

Nachteile:

Nachteilig sind hingegen die operationstechnisch aufwendigere Sehnenentnahme und eine Schwächung der Oberschenkelstreckfunktion.

 

Spendersehne

Spendersehnen (Allografts) finden vorwiegend in den USA Anwendung. Die Verwendung von Spendersehnen kommt als Reserveverfahren insbesondere bei Zweit- und Drittoperationen in Ermanglung geeigneter körpereigener Transplantate in Betracht.

Vorteile:

Vorteil dieser Methode ist der Wegfall der Entnahmeprobleme.

Nachteile:

Nachteilig sind hingegen mögliche Immunreaktionen sowie eine nachgewiesene höhere Versagensrate des Transplantats.

 

Weitere Erläuterungen

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